Familienaufstellung nach Hellinger
Beziehung bewegt – Psychoszialer Beratungsraum – 1030 Wien – Lisa Vesely, B.A.

Zu wissen, dass Veränderung möglich ist, und der Wunsch, Veränderungen vorzunehmen, dies sind zwei große erste Schritte." Virginia Satir

Familienaufstellung nach Bert Hellinger

Virginia Satir wird häufig als die Mutter der Familientherapie bezeichnet. Die Systemische Familienaufstellung wird heute jedoch hauptsächlich mit Bert Hellinger in Verbindung gebracht. Das Ziel von Familienaufstellungen ist, wieder Ordnung in Familiensystemen herzustellen – und damit Versöhnung im inneren Erleben zu ermöglichen. Damit ist nicht gemeint, sich das eigene Bild seiner Familie so zurechtzurücken, wie man vordergründig meint, dass es richtig wäre. Viel eher sprechen wir hier von inneren Haltungen dem eigenen Herkunftssystem gegenüber. Doch welchen Sinn hat das Ganze? 

Dynamiken können über Generationen hinweg wirken

Häufig ist es so, dass wir in unserem Leben von Glaubenssätzen beeinflusst sind, die wir bewusst oder auch unbewusst von einem oder mehreren unserer Familienmitglieder übernommen haben. Spannend dabei ist, dass diese Dynamik über Generationen hinweg wirken kann. Das heißt: Die Personen, deren Emotionen und Ideen wir möglicherweise in unserem Leben übernommen haben, kennen wir vielleicht persönlich nicht einmal mehr. Das klingt auf den ersten Blick vielleicht sehr irritierend. Dennoch wird Ihnen jeder, der einmal bei einer solchen Familienaufstellung dabei war, schildern können, wie rasch es diese Methode ermöglicht, sich emotional zu öffnen und so zu tiefgreifender Entwicklung von bisher destruktiven Glaubenssätzen beizutragen.

Durch das jahrelange Beobachten habe ich festgestellt, dass der Mensch gewissen Ordnungen unterliegt und ich bezeichne sie als die Ordnungen der Liebe. Heute würde ich sie als die Gesetze des Lebens bezeichnen, welchen sich kein Mensch entziehen kann und die ihre Wirkungsweise entfalten, ob wir sie kennen oder nicht." Bert Hellinger

Kollektives und persönliches Gewissen

Diese gewissen Ordnungen, von denen Hellinger spricht, sind im Grunde recht einfach zu durchschauen. So bleiben wir etwa immer das Kind unserer Eltern. Ganz egal, was wir ihnen vorwerfen oder wo wir denken, dass sie im Unrecht sind: Wir können uns dieser Gesetzmäßigkeit nicht entziehen. Es ist dabei interessant zu beobachten, dass gerade der Versuch, sich von seinem Herkunftssystem abzugrenzen, oft dazu führt, dass in unserem eigenen Leben viele Dinge wider alle Erklärungen und Bemühungen in Richtungen laufen, mit denen wir nicht umgehen können. Wenn wir Ordnungen verletzen – und seien Sie versichert, das tun wir alle –, so meldet sich unser System, holt uns quasi ein und pocht darauf, dass es wieder in Ordnung gebracht wird. Dabei unterliegen wir nicht nur unserem persönlichen Gewissen, sondern auch jenem kollektiven Gewissen unserer Familie, das wir im Alltagsleben selten bewusst wahrnehmen können.

Das System will vollständig sein."

Was wir ganz bewusst oder unbewusst ausschließen, wird mit Sicherheit vom System wieder hereingeholt. Denn das System will vor allem eines: vollständig sein. So fragen wir uns gelegentlich, warum gerade die Dinge, die wir versuchen von uns fernzuhalten, immer wieder – oft mit voller Wucht – in unser Leben treten. Vielleicht erleben wir auch selbst in unserem Leben immer wieder die gleichen Muster und verstehen es nicht, diese zu durchbrechen. Wenn etwa ein Mann immer wieder an Frauen gerät, die ihn plötzlich verlassen, könnte es sein, dass er den Glaubenssatz seines Vaters übernommen hat, der von seiner Frau plötzlich verlassen wurde.

Wieder Ordnung ins System bringen

Hier gilt es, sich innerlich zurückzuziehen und zu begreifen, dass wir es niemandem schulden, ähnliche Erfahrungen zu machen, sondern dass es in unserem Leben gut weitergehen darf. Familienaufstellungen haben somit auch den Sinn, dass wir aufhören, uns innerlich – wenn auch unbewusst – einzumischen und dadurch wieder Ordnung in unser System und somit in unserem eigenen Leben zu schaffen. 

Was hier recht abstrakt klingen mag, lässt sich in einer Systemischen Familienaufstellung auf unnachahmliche Weise sichtbar machen. Wir können unsere Themen visualisieren, können spüren, wie verbunden wir mit unserem System und einzelnen Personen aus diesem System sind, und vor allem, was in unserem Körper vorgeht, wenn wir Dinge ins richtige Licht rücken und ihnen  im wahrsten Sinne des Wortes wieder ins Auge blicken können, anstatt uns wegzudrehen.

Dr. Peter Orban zu Familienaufstellungen

Familienaufstellungen ermöglichen uns also, Ordnung zu schaffen, wo wir nicht einmal wussten, dass Ordnungen verletzt wurden. Dadurch können wir in unsere eigene Kraft kommen und unsere Mitte finden, frei von Vorwürfen. Wiewohl es in Familienaufstellungen nicht darum geht, Vergangenes zu beschönigen oder gar zu entschuldigen, können Lösungen nur dann beginnen, wenn wir Vergangenem so gut wie möglich versöhnlich begegnen. Einiges von dem, was wir hier nun erfahren haben, erklärt Dr. Peter Orban – bei dem ich meine ersten Familienaufstellungsseminare besucht habe und der mich und meine Arbeit bedeutend beeinflusst hat und nach wie vor beeinflusst – noch einmal recht anschaulich und nachvollziehbar in diesem Video.

Wenn Sie das Gefühl haben, Sie möchten sich Ihre destruktiven Lebensmuster bewusst ansehen und sie durchbrechen, oder wenn Sie sich Ihren Ängsten stellen bzw. schicksalhafte Begebenheiten in Ihrem Leben betrachten wollen, so lege ich Ihnen die Systemische Familienaufstellung besonders ans Herz. Nicht zwangsläufig ist dafür immer eine Gruppenaufstellung vonnöten. Auch im inneren Bild oder mit Stellvertreterfiguren können systemische Glaubenssätze sichtbar gemacht und in Ordnung gebracht werden. Wenn Ihnen die Vorstellung, Ihre Gefühle vor einer größeren Gruppe darzulegen, noch unbehaglich erscheint, können wir zu Beginn Ihre Themen selbstverständlich auch gerne in vertraulichen Einzelsitzungen gemeinsam bearbeiten.

Wenn Sie jedoch die ganz besondere Dynamik eines Familienaufstellungsseminars erleben wollen oder die Teilnahme an einem solchen entschieden zu empfehlen ist, lege ich Ihnen folgende Familienaufstellungsseminare wärmstens ans Herz:

Systemische Familienaufstellungen in Wien und Umgebung

Lisa Vesely, B.A. – Psychologische Beraterin, Supervisorin – Inhaberin Beziehung bewegt

Familienaufstellungen werden künftig auch von mir im neuen Gruppenraum in meiner Praxis im Dritten Bezirk geleitet. Ich empfehle vor jeder Aufstellung mit eigenem Anliegen ein Erstgespräch in der Einzelberatung, um die Zeit in der Gruppe ideal nutzen zu können. Zu den Terminen gelangen Sie hier.

Dr. Peter Orban – Psychologe, Therapeut und Systemischer Aufstellungsleiter

Peter Orban ist deutscher Psychotherapeut und Systemiker. Neben Ausbildungsseminaren zur Familienaufstellung leitet er immer wieder Gruppenaufstellungsseminare von Freitag bis Sonntag in Berndorf bei Wien, die für alle Interessierten zugänglich sind. Die Termine und Zeiten, wann Dr. Peter Orban in Berndorf ist, erfahren Sie hier.

Silvia Podlisca – Psychologische Beraterin, Supervisorin – Institutsleiterin am IFGE

Silvia Podlisca ist Lebens- und Sozialberaterin, Psychologische Beraterin, Systemische Aufstellungsleiterin und Supervisorin. An ihrem Institut, dem IFGE in Wien, bietet sie nicht nur Familienaufstellungen an, sondern unterrichtet die Methodik der Systemischen Familienberatung in ihrem Diplomlehrgang zum Psychologischen Berater. Termine und Infos gibt es hier.

Kritik an Hellinger

Bert Hellingers Methode des Familienstellens ist nicht nur die wohl bekannteste und meist praktizierte, sondern mit Sicherheit auch die kritisierteste. Seine bisweilen rigorosen Ansätze und gelegentlich regelrecht hart wirkenden Interaktionen mit seinen Patienten stoßen immer wieder auf Unverständnis. Ich gebe zu, dass so manche Aussagen und Aktionsmuster von Bert Hellinger auch mich mitunter irritiert haben. Sie treffen also auf mein vollstes Verständnis, wenn Sie – falls Sie gerade erst auf seine Methode des Familienstellens aufmerksam geworden sind – so manche Hellinger-Gesetzmäßigkeiten staunen oder sogar den Kopf schütteln lassen.

Der Mann stellt seine Führung in den Dienst der Frau." Bert Hellinger

In vielen Fällen hat dies jedoch damit zu tun, dass die ganze Tragweite von Hellingers Aussagen oft aus dem Zusammenhang gerissen oder nur teilweise wiedergegeben präsentiert wird. So lautet eine seiner oft zitierten und auch kritisierten Ordnungen: "Die Frau folgt dem Mann." Eine Aussage, die heute freilich – und hoffentlich – bei vielen Frauen und Männern einen Aufschrei verursacht. Liest man bei Hellinger jedoch weiter, so zeigt sich nicht nur ein neues Bild, sondern ein völlig anderer Zusammenhang, denn seine vollständige Ordnung lautet: "Die Frau folgt dem Mann und der Mann stellt seine Führung in den Dienst der Frau." Sie sehen, hier ergibt sich auf einmal ein neues Bild. Der Mann kann nämlich nur im Dienste der Frau agieren, wenn er ihre Bedürfnisse kennt, diese wahrnimmt, als gleichwertig betrachtet und nach ihnen handelt.

Inneren Frieden finden

Gleichzeitig ist zu beachten, dass Hellinger selbst lange Jahre gebraucht hat, um die Ordnungen, mit denen wir heute arbeiten, zu festigen. Durch die jahrelangen Aufstellungen hat sich sein Blickwinkel immer wieder gewandelt. Dadurch hat Hellinger seine Arbeit stetig erweitert und sich keineswegs gescheut, sich selbst zu hinterfragen und die Familienaufstellung an sich weiterzuentwickeln. Vieles, was an Hellingers Methode kritisiert wird, hat Hellinger teilweise schon vor Jahrzehnten selbst revidiert und ist kein Bestandteil mehr bzw. ein weiterentwickelter Bestandteil des modernen Familienstellens, wie wir es heute kennen und anwenden.

Wichtig zu wissen ist ebenso, dass nicht alles, was wir als innere Bewegung anerkennen, im realen Leben vollzogen werden muss. Nicht jede innere Haltung kann und soll in der Realität gelebt werden. Wenn wir also von Familienaufstellungen sprechen, reden wir immer von Ordnungen in der Psyche und im System. So abstrakt sich die Psyche mitunter zeigt, so abstrakt möchte ebenso die Familienaufstellung begriffen werden. Auch wenn sie dennoch dazu führen kann, dass sich in unserem realen Leben Ordnungen wieder herstellen. Eines wage ich aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu behaupten: Wer innerlich Ordnung in seinem System herstellt und eine klare innere Haltung zu diesem System entwickeln kann, der findet zurück zu seiner Stärke, zu seiner Mitte, zu seiner Kraft und zu innerem Frieden.


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